Es liegt in der Natur von Umwegen, das sie etwas länger dauern. Bei Roland Mangold dauerte es 30 Jahre, bis er einen Weg fand, wie Menschen das Erfolgsprinzip der Natur auch im beruflichen Alltag nutzen können. Dass er über sich selbst lacht, wenn er davon erzählt, hängt damit zusammen, dass sein Team und er einen großen Schritt weitergekommen sind: mit dem Helix Garten. Aber der Reihe nach: 30 Jahre lang hatte Roland Mangold schon als Berater und Entwickler von Qualitätsmanagementsystemen gearbeitet. Der Job schien perfekt zu seinem „absolut kognitiven Charakter“ zu passen. „Ich habe in diesen Managementsystemen lange Zeit die ‚perfekten Tools’ für Betriebe gesehen“, so Roland Mangold, „doch je mehr ich meinen Blick auf die tatsächlichen Wirkungen in der Praxis ausrichtete, desto klarer wurde mir, dass es da noch einiges zu verbessern gibt.“

Dass die Natur für Roland Mangold zu einer beruflichen Schlüsselerfahrung werden würde, hätte er damals selbst nicht geglaubt. Doch so war es. In der Auseinandersetzung mit dem vermeintlichen Gegenpol zur betriebswirtschaftlichen Logik eignete er sich Fähigkeiten an, die ihm bei der Suche nach neuen Ansätzen „enorm geholfen haben“. Die echten Problemstellen der Qualitätsmanagements wurden sichtbar, weil Mangold die für ihn wichtigsten Lektionen beherzigte: „Geduld haben, den Dingen Zeit geben, genauer hinsehen.“ Denn der Mensch – und damit auch die Betriebe – funktionieren in seinen Augen nicht nur wie komplexe Maschinen, sondern vor allem auch wie lebende Organismen. „Und damit spielen die Naturgesetze in jedem noch so perfekten Managementsystem eine gewichtige Rolle.“ Aufbauend auf diesen Erkenntnissen hat Mangold mit seinem Team ein völlig neues Qualitätssystem entwickelt.

Seit fünf Jahren denkt er nun darüber nach, wie er es auch anderen Menschen ermöglichen kann, so von der Natur zu profitieren. Ein Resultat ist der Helix Garten, wobei der Begriff „Garten“ seine Tücken hat, weil er in diesem Fall die falschen Bilder hervorruft. „Unser Garten ist nicht dafür gebaut, dass darin Pflanzen wachsen, sondern, dass Menschen darin wachsen.“

Und wie sieht so ein Menschengarten nun aus? Er spricht – erstens – eine bildliche Sprache, und dazu zählen auch die Aspekte, die selbst in einem klassischen Naturgarten keinen Ort fänden. An einer Stelle versperrt ein toter Baum den Weg, weiter oben sind Sturmschäden nicht beseitigt. Aber verstehen die Besucher denn dadurch,41 dass auch Krankheit und Tod zum Leben gehören? Dass auf unser (Berufs-)Leben Umstände einwirken, auf die wir wenig Einfluss haben? Müsste man ihnen denn nicht erklären, dass …? „Nein“, sagt Roland Mangold, „denn dann würden wir wieder in das alte Muster zurückfallen. Belehren bringt überhaupt nichts.“ Worum es ginge, sei, die Wahrnehmungskompetenz zu revitalisieren und das eigenständige Denken zu fördern. Deshalb gibt es ein zweites Gestaltungsprinzip, das auf der Beobachtung beruht, wie lebende Systeme lernen und sich entwickeln. Der Weg, der sich oberhalb des Degersees sieben Kilometer nordwestlich von Lindau die Hügellandschaft hinaufschlängelt, verkörpert dieses „Erfolgsprinzip der Natur“. Er verbindet die Stationen des Helix Gartens, aber nicht auf mathematisch oder betriebswirtschaftlich „optimale“ Weise, also als gerade Linie, sondern über „Umwege“. Sie wirken unscheinbar, haben es aber in sich.

So besteht die erste Station aus weit auseinandergerückten Stühlen, die mitten in die Natur hineingestellt sind. Die Aufgabe: über ein zuvor definiertes Thema oder Problem länger nachdenken. Sonst nichts? Sonst nichts, aber diese Aufgabe erzeugt bei einem durchschnittlich sozialisierten Westeuropäer Stress. „Wir leben zwar in einer kognitiven Gesellschaft, und fraglos liegt eine Besonderheit der Spezies Mensch in ihrem großen Denkpotenzial“, erläutert Roland Mangold. „Aber echtes Denken ist sehr anstrengend, und im Alltag umgehen wir es, indem wir sofort anfangen, miteinander zu reden.“

Der Helix Garten erzwingt dagegen Konzentration und Wahrnehmung der Umgebung: Man sieht, dass auch der alte Apfelbaum noch Früchte trägt, man hört das Gesumme von über 100 000 Bienen – und erst jetzt treten die Gruppenmitglieder in Kontakt miteinander. Roland Mangold ist dabei nur noch der Impulsgeber – und staunt jedes Mal, „welche enormen Potenziale und Ideen aus Menschen herauskommen, wenn sie – bevor sie miteinander sprechen – ihre Wahrnehmung schärfen und eine Denkleistung erbringen müssen.“

Dass man die Intelligenz und all die Potenziale der Natur nicht auf einen Schlag nutzen kann, versteht sich. Auf schnelles Lernen ist der Helix Garten auch gar nicht ausgelegt. „Dazu ist der Mensch viel zu träge“, sagt Roland Mangold. Genauso wichtig wie der Anstoß zum neuen Denken sei eine Phase, in der die Dinge sacken können, damit man irgendwann die Logik der Natur im Alltag nutzen kann – die manchmal so krumm wirkt, wie der Weg im Helix Garten tatsächlich ist.

Helix Garten

Degersee 2
88069 Tettnang

Telefon +43 5573 82626

Fax info@faktornatura.com


Email www.faktornatura.com

Workshops und Besuch
auf Anfrage möglich

Karte