Biologieunterricht, Abenteuerspielplatz, Trimmdich-Tour: Der Walderlebnispfad Möggers bietet eine einzigartige Mischung. Vor allem aber sollen sich die Gäste hier wohlfühlen.

Jeder Wald, der etwas taugt, hat seine Geheimnisse. So auch der Schluchtenwald in Möggers in Vorarlberg. Er wird von einem Pfad durchzogen, über den man im Netz die folgende Warnung liest: „Dieser Pfad frisst Schuhe!“ Gemeint ist der Walderlebnispfad, und natürlich verbirgt sich hinter der Warnung ein Kompliment. Denn darum, in der Natur aktiv zu werden, geht in dieser einzigartigen Mischung aus Biologieunterricht, Abenteuerspielplatz und Trimmdich-Tour.

In früheren Zeiten stand tief unten im Tobel eine Säge, die Handwerker nutzten die Energie der hohen Wasserfälle. Heute nutzt Gastgeber Georg Fritz die Kraft der Natur auf andere Weise. Er ist die perfekte Besetzung für diesen Posten. „Ich bin im Wald aufgewachsen“, sagt Fritz, und man tritt ihm nicht zu nahe, wenn man sagt, dass er so aussieht, als könne es wahr sein – wenn da nicht dieses Blitzen in den Augen wäre. Zum Teil stimmt es ja. Hier in der Gegend wuchs er tatsächlich auf, und hier ging er zur Schule, wo ihn der Pfarrer des öfteren aus dem Religionsunterricht warf. Dann zog es ihn immer in die Wildnis vor der Haustür. „Der Wald ist meine Heimat“, sagt Fritz. Und dies ist wohl die volle Wahrheit.

Es entbehrt nicht der Ironie, dass jemand, der von sich selbst sagt, er habe ein Problem mit Autoritäten und Obrigkeiten, jetzt selbst als eine Art Lehrer arbeitet. Wobei Fritz findet: „Was man gerne tut, ist keine Arbeit.“ Und als allzu strenges grünes Klassenzimmer darf man sich den Walderlebnispfad auch nicht vorstellen. „Wir wollen, dass man sich wohlfühlt.“ Gelegenheiten dafür bietet der 2,7 Kilometer lange Rundweg reichlich. Man kann anhand von Rindenstücken raten, um welchen Baum es sich wohl handelt und wie alt er ist; man kann sich wie Tarzan mit einem dicken Tau über einen Bach schwingen oder auf Hängebrücken und Baumstümpfen balancieren; man kann mit Klanghölzern und Trommeln musizieren oder die Gedichte, Sinnsprüche und Hinweistafeln studieren, die unaufdringlich im Wald verteilt sind.

Viele der Besucher sind nach diesen Lockerungsübungen so entspannt, dass sie unter einem der Wasserfälle eine Dusche nehmen, „manche in Badebekleidung, manche naturmäßig“, wie Fritz schelmisch erzählt. „Da verliert man die aristokratische Schüchternheit.“ Wenn man sich ausruhen oder gar nichts tun mag, ist dies ebenfalls im Sinne des Hausherrn. Für die Erholung seiner  Gäste hat Fritz Hängematten aufgespannt – „und für die Waldelfen, die manchmal auf Besuch kommen“.

Anfangs fehlte es nicht an Leuten, die das, die ihn schlichtweg für verrückt hielten. Überzeugte Verfechter des Walderlebnispfades gab es jedoch auch, allen voran Förster Helmut Gmeiner, inzwischen Obmann des Waldpädagogikvereins. Der gemeinnützige Verein ist Träger des Erlebnispfades und will unter anderem „das Natur-Werteverständnis der kommenden Generationen“ wecken. Aber was heißt eigentlich „Natur“? Was ist natürlich? Was ist normal? Die Form der Landwirtschaft, der man heutzutage das Prädikat „Bio“ verleiht, nennt Georg Fritz zum Beispiel „die normale“, wobei er selbstverständlich weiß, wie weit wir uns davon entfernt haben. „Deshalb müssen wir uns wieder mit der Natur harmonisieren.“ Im Rahmen einer Interessengemeinschaft hat er über 10.000 Unterschriften für ein solches Programm gesammelt, für „eine qualitativ hochwertige Erzeugung von Lebensmitteln, die Erhaltung der Luft und die der bäuerlichen Struktur – in voller Mitverantwortung des Verbrauchers“.

Spätestens jetzt dürfte klar sein, dass der vermeintliche Kinderspielplatz seine verborgene Zielsetzung hat, wie Fritz wieder mit einem Blitzen in den Augen offenbart: „Über die Kinder kann man die Eltern wieder vernünftig machen“, ist er überzeugt. Dass es funktioniert, erkenne man, wenn man die Besucher vor und nach ihrem Aufenthalt beobachtet: „Wenn die Leute aus dem Auto steigen, sehen sie gestresst aus“, und zwei, drei, vier Stunden später „sind sie ruhig und gelöst“. Damit wäre das eigentliche Geheimnis des Schluchtenwalds gelüftet. Und was den Schuhfraß angeht, hat Georg Fritz einen praktischen Tipp: Man soll am besten barfuß laufen. „Außerdem erspart das die Fußreflexzonenmassage.”

Walderlebnispfad Möggers

ab Parkplatz Schönsteinhof
A-6900 Möggers

Webseite walderlebnispfad.at

Ganzjährig geöffnet
immer begehbar, außer bei dicker Schneedecke

Eintritt frei
Freiweilliger Unterstützungsbeitrag erwünscht:
1,00 € Erwachsener
0,50 € Kind
Parkplatzgebühr 2,00 €

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