Mit Trends ist das so eine Sache: Einer fängt halt an damit. Und wenn das nicht irgendwer ist, dann finden sich bald Nachahmer. Vor allem dann, wenn was dran ist, an dem Trend. So oder so ähnlich kann man auch die rege Bau- und Gestaltungstätigkeit deuten, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Lindau einsetzte und ein ganzes „Villenviertel“ am Ufer entstehen ließ. Wobei Historiker zurecht aufschreien mögen, wenn man jahrzehntelange Entwicklungen der Lindauer Stadtgeschichte als „Trend“ abtut. Aber der Reihe nach:

Dass die „bayerische Riviera“, jener circa sechs Kilometer lange Uferabschnitt Lindaus, der nach wie vor zu den schönsten Ausflugszielen der gesamten Region gehört, noch heute so genannt wird, sollte man wohl eher als nachhaltig bezeichnen. 30 noble Villen und Herrenhäuser sind bis heute erhalten geblieben, ihre teils spektakulären Parks und Grünanlagen sind in manchen Fällen sogar für die Allgemeinheit zugänglich.

Prinz Luitpold macht den Anfang

Der Anfang war königlich: Prinz Luitpold war der erste, der hier 1848 die Villa Amsee als Sommerresidenz erwarb. Das löste einen regelrechten Boom aus – oder eben einen Trend. Zahlreiche Adlige und jene Bürger, die es sich sonst wie leisten konnten, zogen über die Jahre und Jahrzehnte nach. Sie erwarben entweder Anwesen und ließen diese (um)gestalten oder ließen die Villen gleich von Grund auf nach ihren Vorstellungen errichten.

Vorbild für Sie alle war natürlich die italienische Riviera, an die sich nicht nur Prinz Luitpold beim Anblick des Lindauer Bodenseeufers erinnert fühlte. Die Lebensweise der italienischen Noblesse, wie auch deren Selbstdarstellung, übernahmen adlige und wohlhabende Lindauer in vielfältiger Weise, so etwa bei der Gestaltung ihrer Familiengräber oder eben bei der Anlage der Parks und Villengärten.

Wenn schon Exil – dann hier!

So gesehen greift der oben nicht ganz ernst gemeinte Begriff des Trends halt doch viel zu kurz für ein so bedeutendes Stück Stadtgeschichte wie die Bayerische Riviera Lindaus. Anhand der bis Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Bauwerke lassen sich diverse Baustile der Zeit hier vor malerischer Kulisse bestaunen – vom Neoklassizismus über die Neorenaissance italienischer Prägung bis hin zum Jugendstil.

Längst nicht alle noblen Herren und Damen fanden an der Bayerischen Riviera ihr Glück. So blieben ihnen entweder nur wenige Jahre, ihre Herrenhäuser samt Anlagen zu genießen oder sie kamen nicht ganz freiwillig – wie der toskanische Großherzog Ferdinand IV. (1835-1908). Der wird dem Lindauer Bodenseeufer seine Schönheit nicht abgesprochen haben. Hier niedergelassen hat er sich Mitte des 19. Jahrhunderts aber wohl nur, weil er sich zum Gang ins Exil gezwungen sah.