Geschichten und Geschichte: Im Lindauer Leuchtturm gibt es viel zu entdecken.

Dass Bayern – das Land der Alpen und Almen – einen Leuchtturm hat, wissen selbst innerhalb des Freistaates nicht alle Bewohner. Dass der Turm der südlichste der ganzen Republik ist, erklärt sich bei einem Blick auf die Landkarte von selbst. Und dass dieses 1856 fertiggestellte Bauwerk tatsächlich außergewöhnlich ist – davon sollten Sie sich bei Ihrem Besuch der Inselstadt auf jeden Fall überzeugen.

Wer noch mehr über den Leuchtturm und die Ära seiner Erbauung und Nutzung erfahren möchte, kann an der Stadtführung „Die Frau des bayerischen Leuchtturmwärters“ teilnehmen. Die inszenierte Kostümführung entführt Sie 90 Minuten lang unterhaltsam in die Welt des 19. Jahrhunderts. © Hari Pulko

Ist das Wetter gut, steht die Tür zu den 139 Stufen offen, welche Sie auf 36 Meter Höhe bringen. Doch keine Sorge vor der körperlichen Betätigung: Auf den Podesten zwischen den schmalen Holztreppen sind Verschnaufpausen nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. Denn wie sonst sollten die Besucher die aufschlussreichen alten Zeichnungen, wissenswerten Fakten und heiteren Anekdoten am Inneren der Leuchtturmmauer goutieren können?

Wissenswertes rund um die Stadt und den See

Da sind zum Beispiel die Informationen zum Wetter auf dem See: Über Windhosen und Seerauch, Nebel und Wellen wird geschrieben – in alter Schrift und blumigen Worten. Oder Wissenswertes über die Tierwelt: Der riesige Wels findet ebenso Erwähnung wie der einsame Karpfen und eine spektakuläre Fangquote aus dem Jahr 1956 – 1040 Tonnen! Der Trajektverkehr von Güterwaggons über den See ist ebenfalls bildlich festgehalten.

Auch warum der Leuchtturm eine Uhr hat, können Sie beim Aufstieg erfahren. Wir verraten es Ihnen aber gerne schon hier: Er wurde früher von der Eisenbahnverwaltung betrieben – und die hatte ein Interesse daran, den Reisenden des gegenüberliegenden Bahnhofs die Zeit mitzuteilen. Erst 2010 ging der Leuchtturm in das Eigentum der Stadt Lindau über. Seine Uhr durfte er behalten. Umgebaut hingegen wurde das Leuchtsignal, welches sich bei Sturm 10-mal pro Minute dreht und 20-mal blinkt. Weil es den Schlaf der Anwohner empfindlich störte, wurde das Licht in den 30er-Jahren zur Hafenseite hin abgeblendet. Heute sind die Scheinwerfer normalerweise nicht mehr aktiv – nur bei sehr schlechten Wetterbedingungen werden sie von den Bodenseeschiffen aus durch Funk aktiviert.

Vom Gipfel des markanten Lindauer Leuchtturms aus haben Sie einen tollen Rundum-Blick auf die Insel, das Festland, den Bodensee und die Berge. © Hari Pulko

Der Aufstieg lohnt sich – nicht nur wegen des tollen Ausblicks

Wofür der untere Leuchtturm-Teil während des Krieges genutzt wurde, wann die Wasserfläche komplett zugefroren war, so dass sogar Flugzeuge darauf landeten, und warum es den Bodensee wohl irgendwann nicht mehr geben wird: Auch das alles steht an dem massiven Mauerwerk geschrieben. Am besten entdecken Sie es bei einem gemütlichen Aufstieg – und immer daran denken: „Trag den Kopf nicht allzu stolz, hier ist nochmals alles Holz!“

Der Neue Leuchtturm hat von April bis einschließlich September täglich von 11:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Je nach Wetter und Nachfrage können die Öffnungszeiten abweichen. Der Eintritt kostet 2,10 € für Erwachsene, für Kinder 0,80 €.